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Frischer Wind im Kuhstall

NDR Fernsehen
Sendereihe: die nordstory

Produktion video:arthouse Film und Fernsehen GbR
Ein Film von Johann Ahrends
Kamera  Reinhard Bettauer, Jan-Peter Sölter, Jörg Zschimmer 
Ton Sebastian Beck,  Simon Tober
Schnitt Kay-Stephan Rettig

Sender NDR Länge 60 Min.
Erstsendung 26.2.2016, 20:15 Uhr

Der Film im NDR Doku-Kanal

Sie sind hoch motiviert, haben einen wohl durchdachten Plan und stecken voller Leidenschaft für die Arbeit mit ihren Tieren. Die Protagonisten der NDR-Dokumentation „Frischer Wind im Kuhstall“ kümmern sich von morgens bis abends um ihre Kühe und betreiben moderne Landwirtschaft in Niedersachsen. Sie stehen für eine neue Generation von Landwirten. Bauern, die anpacken statt zu klagen – die mit Tatkraft und Optimismus in die Zukunft blicken. Und die immer das Wohl ihrer Tiere im Blick behalten.

Einer von ihnen ist Amos Venema aus Jemgum. Zusammen mit seinem Bruder Jan und seinem Vater Arnold betreibt er einen konventionellen Milchviehbetrieb mit 170 Kühen. Gerade haben sie die Silberne Olga gewonnen – einen Preis für nachhaltiges Wirtschaften und für eine gute Öffentlichkeitsarbeit. „Solche Preise bekommt man nicht oft im Leben. Darauf sind wir sehr stolz“, sagt der Milchbauer. Amos Venema dokumentiert seine Arbeit mit den Kühen im Internet – das Portal „My Kuhtube.de“ erfreut sich nicht nur bei Landwirten großer Beliebtheit. Die Landwirtschaft für den Verbraucher transparenter machen, das hat sich Amos Venema auf seine Fahnen geschrieben. Die Seite hat schon über 600 000 Klicks – Amos ist dort inzwischen ein Star: „Sicher, die erste Zeit war das ein wenig befremdlich, wenn die Leute einen ansprachen, aber man gewöhnt sich daran. Das ist angenehm. Kann man ganz klar so sagen.“

Dabei war das vergangene Jahr alles anders als rosig auf dem Bauernhof der Familie Venema. Nach dem Wegfall der Milchquote gingen die Preise rapide in den Keller – die Venema GbR musste Einbußen von mehr als 100 000 Euro hinnehmen. Doch statt zu jammern, blickt Amos auch nach diesem schlechten Jahr zuversichtlich in die Zukunft: „Ich glaub schon, dass sich das wieder positiv entwickeln wird. Milch ist ein kostbares Gut und wenn sich das alles ein bisschen einspielt, dann werden die Milchpreise auch wieder steigen, da bin ich ganz optimistisch.“

Auch für Michael Looschen aus Garrel geht es um viel Geld. Er hat sich für eine sechsstellige Summe Embryonen der sehr wertvollen Wagyu-Rinder aus Japan besorgt und betreibt damit Pionierarbeit. Sein Vater wollte die Bullenmast aufgeben und hatte keinen Nachfolger für den über 300 Jahre alten Bauernhof. Da kam der jüngste Sohn auf die Idee mit dem Edel-Fleisch. 250 Euro wird bereits jetzt pro Kilo bezahlt – aber die Investitionen sind immens. Ein neuer Stall wurde für eine Millionen Euro gebaut - 50 Ammenkühe aus Süddeutschland angeschafft, die nun die zarten Wagyu-Kälber austragen sollen.

Bei der Übertragung der Embryonen kommt modernste Technik zum Einsatz – in einem Laborwagen wird jedes einzelne Embryo separiert und für den Transfer vorbereitet. Dazu kommen Experten von „Masterrind“ auf den Hof, ein Unternehmen, das sich auf künstliche Befruchtung von Rindern spezialisiert hat. Michael Looschen schaut mit klopfendem Herzen zu – denn bei jeder Übertragung geht es um viel Geld: „Jetzt hat man eine gute Genetik gekauft in Australien - aber die Tiere müssen die Embryonen ja auch annehmen. Da ist schon eine Menge Spannung dabei.“

Im Harz wird es spannend, wenn Bio-Bauer Daniel Wehmeyer seine 80 Kühe auf die Bergweiden treibt. Der 33jährige fährt mit dem Traktor vorneweg – die Tiere folgen ihm – meistens. Daniel Wehmeyer betreibt ökologische Landwirtschaft mit dem Harzer Roten Höhenvieh - eine der ursprünglichsten Nutztierrassen, die es gibt. Als sogenanntes Dreinutzungsrind lieferte es früher Fleisch, Milch und Zugkraft für den Ackerwagen. Heute sind diese Tiere vom Aussterben bedroht.

Daniel Wehmeyer schätzt die Rasse – er wollte schon als Kind Bauer werden, obwohl seine Eltern dagegen waren. „Die haben von Anfang an gesagt, das geht nicht, wir haben kein Land, wir haben keine Kühe, wir haben keinen Hof. Das kann nichts werden. Junge, mach das nicht. Du kriegst keine Frau, du verdienst kein Geld und du hast auch keine Zeit. Lass das mit der Landwirtschaft.“ Aber Daniel Wehmeyer setzte seinen Kopf durch und war schon mit 20 Jahren Vollerwerbslandwirt, obwohl ihm auch Wirtschaftsberater und die Landwirtschaftskammer abgeraten hatten. Er kaufte sich das Rote Höhenvieh, baute einen Stall, pachtete Flächen im Natur- und Landschaftsschutzgebiet und betreibt dort nun mit seinen Tieren ökologische Bergwiesenpflege. Und in diesem Jahr ist er zum zweiten Mal Vater geworden.

Daniel Wehmeyer ist Direktvermarkter - das Fleisch seiner Tiere geht nicht in den Großhandel, sondern nur an Gastronomen und Endverbraucher. Damit will er auch die Region stärken. Im Januar wurde der 33jährige Landwirt mit dem Bundespreis für Ökologischen Landbau ausgezeichnet. Für ihn die Bestätigung seiner Arbeit. „Ich glaub, dass ich gar nichts anderes machen möchte als Landwirtschaft in Zukunft. Ich bin verdammt glücklich mit diesem Betrieb - so wie es jetzt ist, so ist es super. Und vor Veränderungen habe ich keine Angst.“

Frischer Wind im Kuhstall

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