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Als die Disco in den
Norden kam

NDR
Sendereihe:  Unsere Geschichte
Produktion video:arthouse Film und Fernsehen GbR
Ein Film von  Johann Ahrends
Kamera Reinhard Bettauer
Ton  Jens Arend
Beleuchter Theo Schmidt
Schnitt Kay-Stephan Rettig
Sender NDR
Länge 45 Min.
Erstsendung 20.5.2020, 21:00 Uhr

Als die Disco in den Norden kam


Unsere Geschichte - Made in Norddeutschland 


Die Vorgänger der Discotheken in Deutschland waren die Jukeboxen. In vielen Gaststätten gehörten sie neben Flipper und Geldspielautomaten zum Inventar. Man warf eine Münze in den Schlitz, drückte einen Buchstaben und eine Zahl und sah dann durch eine Glasscheibe ins Innere des Kastens. Dort wurde die gewählte Schallplatte wie von Geisterhand von der Senkrechten in die Waagrechte gebracht, die Nadel aufgelegt und dann der Titel gespielt. In den USA wurde so schon in den 30er Jahren zu den Musikboxen getanzt. Erst viel später legten dann Menschen die Platten auf – das war dann die Geburtsstunde der Discjockeys. Über die USA und Frankreich kam die Disco dann irgendwann auch nach Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen die Menschen in Norddeutschland am Wochenende erstmal nur tanzen. In vielen Städten und Dörfern gab es damals Tanzlokale, in denen regelmäßig Kapellen und Bands auftraten. Irgendwann aber war Schluss damit – dann kam die Disco. Laut Wikipedia wurde mit dem „Ocambo Club“ die erste Discothek Deutschlands am 15. Mai 1959 in Osnabrück eröffnet. Mitte der 70er Jahre gab es allein im Nordwesten Niedersachsens mehr 140 verschiedene Discotheken. Fast in jedem Dorf wurde jetzt getanzt, wenn der DJ die Platten auflegte. 

Wir erklären in diesem Film, wie viele Discos übrig geblieben sind und wie sie heute funktionieren und blicken zurück auf die Anfänge. Wir lassen Gastwirte, Discjockeys und Gäste aus früheren Zeiten erzählen – und begleiten junge Menschen an den Theken und auf den Tanzflächen. Und wir zeigen, wie die Discotheken durch die Umsiedlung des „Sonnensteins“ jetzt auch zum Kulturgut erklärt wurden. Wir wollen mit diesem Film ein Stück niedersächsischer Kulturgeschichte erlebbar machen. Wir wollen veranschaulichen, wie die Discotheken eine ganze Generation geprägt haben. Und welche Bedeutung die Discos noch heute für die Menschen in Niedersachsen haben.  

Vor allem in den 70er und 80er Jahren gab es überall im Norden Discotheken – in fast jedem Dorf öffneten damals diese Tanzlokale. Davor hatten dort hauptsächlich Bands und Kapellen gespielt. Sogar heutige Weltstars wir die Scorpions haben in diesen Clubs einmal angefangen.Lead-Sänger Klaus Meine erinnert sich noch gut an seinen ersten Auftritt „bei Meta am Deich“. Diese Discothek in Norddeich ist bereits 60 Jahre alt und damit eine der ältesten Läden in ganz Deutschland. Meta Rogall als Besitzerin wurde zur Kultfigur – die Disco führt ihr Sohn Sven noch heute. In diesem Sommer feiert er mit vielen Stammgästen Jubiläum. Besonders spannend: Bei Meta hat Howard Carpendale seine Karriere begonnen – und auch Otto Waalkes hat dort mit 14 Jahren schon mit seiner Band gespielt. Beide blicken gerne an diese Zeit zurück. 

Auch der „Hyde Park“ in Osnabrück hat eine lange, wechselvolle Geschichte. Conny Overbeck betreibt den Laden seit über 40 Jahren. Schlagzeilen machte die Disco im Jahre 1983. Als sie geschlossen werden sollte, gab es tagelang Ausschreitungen zwischen Punks und Polizei. Zeitzeigen von damals erinnern sich an die Krawalle von Osnabrück –als dort die Straßen brannten.

Und eine Disco kommt jetzt sogar schon ins Museum. Der „Sonnenstein“ aus Harpstedt wurde Stein für Stein demontiert und wird gerade im Museumsdorf Cloppenburg wieder originalgetreu aufgebaut. Damit wird die Disco erstmals zum wichtigen Kulturgut Norddeutschlands erklärt. Victoria Biesterfeld vom Museumsdorf erforscht die Geschichten der Discotheken wissenschaftlich. Sie führt Interviews mit Zeitzeugen, sammelt Requisiten und begleitet den Wiederaufbau. Im September soll alles fertig sein.

 Auch Uwe Penske aus Aurich hält die Erinnerung an die gute, alte Discozeit wach. Zusammen mit seiner Gruppe „Die Wattwerker“ hat er eine Liste mit über 5 000 progressiven Musiktiteln ins Netz gestellt. Alle 14 Tage gibt es dazu eine Livesendung bei „Radio Ostfriesland“ – meist mit Talkgästen aus vergangenen Tagen. Einer davon ist Rio de Luca aus Wittmund. Seine Disco sieht noch genauso aus wie vor 50 Jahren – und er steht immer noch als DJ am Mischpult – mit 74 Jahren.

Gedreht wurde die Dokumentation im Sommer/Herbst 2019 in Norddeich, Aurich, Wittmund, Harpstedt, Cloppenburg, Wedemark und Osnabrück. 


Als die Disco in den Norden kam

Ein Film von Johann Ahrends 

Kamera: Reinhard Bettauer

Ton: Jens Arend

Beleuchter: Theo Schmidt

Schnitt: Kay-Stephan Rettig

Länge: 45 Minuten

Sendetermin: 20. Mai 2020 um 21:00 Uhr


Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung und für die historischen Foto- und Videoaufnahmen bei:

Sven Rogall, Norddeich (diverse Fotos von Meta)

Uwe Penske, Aurich (Fotos „Old Inn“ Aurich)

Klaus Meine, Wedemark (Fotos Scorpions)

Karl-Friedrich Zürn, Hamburg (Fotos Otto Waalkes/The Rustlers)

Rainer Ehricke, Köln (Fotos Hyde-Park)

Rio de Luca, Wittmund (Fotos „Whiskey“)

Museumsdorf Cloppenburg / Christoph Heinzel, (Foto Abtransport)

Hans Willms, Weyhe (Fotos Meta)

Medienzentrum Norden, Günther Wrobel (Fotos Meta Norddeich)

Lukas Einhaus, Friesoythe (Fotos Rio de Luca)

Matthias Schiminski / Werner Nierychlo, Hildesheim/Osanbrück (Amateur-Video Krawalle Hyde-Park)

Christa Stuckenberg, Oldenburg (Schwarz-Weiß Video Tanzende)#

Ingo Hochartz, Bad Zwischenahn (Video Tanzaufnahmen)

Robert Günther, Norderstedt (Foto Starclub)

Hajo Wilken, Jesewitz (Radio-Interview Meta)

Klaus Lindemann, Bramsche (Foto Hyde-Park)

Als die Disco in den 
Norden kam

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